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Auf dem Reitsimulator

von Jeannette Aretz

Datum: 13.01.2016


pferdia tv Der ultimative Spiegel: Videokameras filmen den Reiter aus vier Perspektiven. 

 

Der Rappe erschrickt nie, ist nicht schief und geht immer über den Rücken. Allerdings hört er auch nicht auf die Reiterstimme. Gestatten: Das ist Black Beauty, der Dressur-Reitsimulator. Zuhause ist er in Langenselbold bei Frankfurt. Pferdiathek-Projektleiterin Sonya Hudson machte sich auf, um das Gerät zu testen. 

 

Black Beauty steht in einer Praxis. Er ist gesattelt und wer auf ihn steigt, blickt über die Ohren des Pferdes auf einen Computerbildschirm. Sonya Hudson hat zwei Reitstunden mit Black Beauty gebucht: eine Sitzanalyse und eine Einheit mit einer Centered-Riding-Trainerin.

Computer mit Grand-Prix-Lektionen

Black Beautys Körper ist mit vielen Sensoren und einer intelligenten Software verknüpft. Das Modell ist von der Firma racewood aus England. Drei Dressur-Reitsimulatoren stehen im deutschsprachigen Raum: einer in München, einer in Frankfurt, einer in Zürich. Programmiert sind alle Lektionen von Rückwärtsrichten bis zur Passage und Piaffe. Sonya Hudson soll in ihrer ersten Einheit alle Gangarten reiten, ohne auf etwas Bestimmtes zu achten. Schritt, Trab, Rechtsgalopp, Linksgalopp. Black Beautys Besitzerin, Anja Schade, wählt die Gangarten aus. Das kann der Reiter auch selbst über die normale Hilfengebung machen, für die Sitzkontrolle wählt Anja Schade aber zunächst die externe Steuerung. Der Computer im Simulator misst dabei den Zügeldruck, die Schenkellage, und analysiert, wo der Reiter wie viel Gewicht in den Sattel gibt. Genau stellt das Programm fest, wo die Sitzbeinhöcker zum Einsatz kommen, ob es Abweichungen ihrer Lage nach vorn oder hinten gibt. Lage und Druck der Schenkel messen drei Sensoren, der Zügelkontakt wird ebenso ausgewertet. Auf dem Monitor erscheinen die Ergebnisse als Balkendiagramm oder beim Zügeldruck in einem Farbschema von grün nach rot.

 

pferdia tvAlternativer Bildschimrmodus: Sitzanalysen. 
pferdia tv Sonya Hudson auf Black Beauty.
 
 

Der verzwickte Rechtsgalopp

Dass Sonya Hudson den Dressurreit-Simulator testen wollte, hat einen besonderen Grund: Sie reitet daheim ein junges vierjähriges Pferd, und im Reitkurs mit Elaine Butler (hier nachzulesen), stellten Trainerin und Reitlehrerin fest: Der Linksgalopp funktioniert prima, der Rechtsgalopp ist tendenziell jedoch länger und flacher. Elaine Butler sah, dass dies an Sonyas Sitz lag, bzw. daran, dass die Reiterin auf der linken Hand mehr Kontrolle über die Bewegung ihrer Sitzbeinhöcker hatte als im Rechtsgalopp, und sagte: „Am liebsten würde ich Dich jetzt eine Viertelstunde auf einen Reitsimulator setzen, damit wir das unter Kontrolle bekommen.“ In England, Elaine Butlers Heimatland, sind diese Simulatoren nämlich üblicher, an die 300 Stück verteilen sich auf das Land. Das war für Sonya Hudson der Anstoß, sich aufzumachen und den Simulator zu testen. Schließlich kann ihr junges Pferd ja nicht 15 Minuten am Stück daher galoppieren, damit die Reiterin in aller Ruhe Übungen für den Sitz im Galopp machen kann. 

20 Minuten helfen enorm

Der größte Vorteil des Simulators liegt darin, für eine längere Phase etwas fortwährend auszuprobieren. Ein Beispiel: Ein Grand-Prix-Dressurreiter, der stets Probleme mit den Einerwechseln hatte, übte die Einerwechsel auf dem Simulator. Hier zeigte sich, dass er zeitlich versetzt trieb. „Es hat zwanzig Minuten gedauert, bis er das Timing richtig drin hatte“, erzählt Sonya Hudson, der Effekt war aber anhaltend. Er konnte diese Bewegungserfahrung am echten Pferd weiter anwenden.

Bei Sonya Hudson bestätigte die Messung die Einschätzung von Elaine Butler. Während Sonyas Gesäßknochen im Linksgalopp nur minimale Abweichungen von ihrer idealen Gleichgewichtsposition zeigen und dem Pferd mehr Stabilität geben, zeigte die Analyse deutlich größere Abweichungen und Instabilität im Rechtsgalopp. „Ich wusste ja, dass meine Sitzbeinhöcker im Rechtsgalopp nicht machen, was sie sollen und dass mein rechtes Bein nicht ruhig genug liegt im Rechtsgalopp, aber ich wusste nicht, wie ich das ändern soll“, sagt Sonya Hudson. Um etwas daran zu ändern, nahm sie im Anschluss an die Sitzanalyse eine weitere Reitstunde mit einer Centered Riding Ausbilderin. Diese Methode, entwickelt von der Amerikanierin Sally Swift, arbeitet mit Bildern, um dem Reiter mehr Körperbewusstsein zu vermitteln und so den Sitz zu verbessern.

 

  

  pferdia tvIm Film-Modus kann der Reiter sich selbst direkt sehen und korrigieren.

 

Centered-Riding-Trainerin Ljudmila Schmid nutzte für Sonya Hudson zum Beispiel folgende mentale Aufgabe: „Stelle Dir vor, dass Dein rechter Beckenknochen von einem Angelhaken nach vorne-oben gezogen wird und zwar immer dann, wenn sich die rechte Schulter von deinem Pferd heben soll." Bei der Live-Analyse konnte man deutlich sehen, wie sich das Mitschwingen auf der rechten Hand verbesserte. „Besser angefühlt hat es sich natürlich auch", berichtet Sonya Hudson. Nachteile des Simulators? Es gibt keine Vorkommnisse außerhalb der Norm: Ein Herausheben oder Erschrecken kennt Black Beauty nicht. Programmiert ist er auf die Standard-Hilfengebung. „Ich pariere mein Pferd daheim durch Ausatmen durch – das kennt der Simulator natürlich nicht“, sagt Sonya Hudson.

 

pferdia tvMit den Knöpfen lässt sich das Pferd auch ohne Reiterhilfen steuern. 
pferdia tv Drei Sensoren liegen im Pad unter dem Schenkel.
 
 

 

Einerwechsel: Häkchen dran

Der große Vorteil vom Simulator im Vergleich zum echten Pferd: Der Ausbilder kann im Galopp einfach neben dem Schüler stehen und ihn so sehr eng begleiten. So kann das richtige Timing und der richtige Ablauf mehrfach geübt werden. Und zwar so lange, bis die Bewegung für den Reiter klar und wiederholbar ist. „Ich konnte vorher das neue Bewegungsmuster mal eine kurze Seite lang halten, dann war es wieder weg, weil ich mich beim lebendigen Pferd ja auch auf dieses konzentrieren muss. Dadurch verlieren sich neue Bewegungserfahrungen schneller.“ Nach dem Ritt auf dem Dressurreit-Simulator kann Sonya Hudson besser als zuvor daheim am richtigen Sitz im Galopp arbeiten: „Einfach, weil ich das neue Bewegungsmuster auf dem Simulator besser festigen konnte.“ Der Grand-Prix-Reiter, der wegen der Einerwechsel zum Simulator kam, soll nach seiner Lehrstunde übrigens auch keine Schwierigkeiten mehr mit dieser Lektion haben. 

 

 

Kosten: Die Sitzschulungs-Einheit zur Einführung kostet 119 Euro für 75 bis 90 Minuten. Die Einheit mit der Centered-Riding-Instructorin kostet 129 Euro für 60 Minuten. Infos unter www.dressur-reitsimulator.de

 

 

 

 

Das Pferd in positiver Spannung, FN-Verlag


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