[Persönlichkeit]

Dr. Britta Schöffmann über Pylonen als Heilmittel

von Jeannette Aretz

Datum: 25.11.2015


Britta Schöffmann über Pylonen als HeilmittelBritta Schöffmanns Reitschülerin Klara und deren Pony Despina.                                                                Alle Fotos: Inge Vogel

 

Die rot-weißen Hütchen sind fast in jedem Reitstall anzutreffen, und das aus gutem Grund: Sie helfen dem Reiter, seine Hilfengebung zu verbessern. Ausbilderin Dr. Britta Schöffmann hat ein paar gute Alltagstipps zur Hand, wie man die Pylonen so platziert, dass sie einen Effekt auf Reiter (und dadurch auch auf das Pferd) haben.  

 

In ihrem ersten Lehrfilm „Reiten gut erklärt Teil 3: Stellung und Biegung“, der soeben erschienen ist, sieht man den Einsatz der Hütchen auch im Unterricht mit ihren Schülerinnen. Es ist der erste Lehrfilm der erfahrenen Ausbilderin. Sie ist selbst bis Grand Prix geritten und sich international einen Namen durch ihre Fachbücher gemacht. Jetzt schon ist der zweite Film von ihr mit pferdia tv vorbereitet, das Thema lautet  „Seitengänge". Auch er erscheint in der Reihe „Reiten gut erklärt“, die Dr. Britta Schöffmann von nun an fortführen wird (in den ersten beiden Filmen erklärt Ausbilder Reinhart Koblitz). Einige Tipps, wie man Pylonen einsetzen kann, um Stellung und Biegung zu verbessern hat sie uns schon verraten.

  

1.   In die Ecken stellen

„Wenn ich im Basisbereich unterrichte, stelle ich ganz oft einen Pylon in jede Ecke“, erzählt sie. „Dadurch erzielt man häufig sofort einen besseren Einsatz des inneren Schenkels beim Reiter“. Denn: Muss der Reiter außen um den Pylon herum die Ecke durchreiten, dann reitet er sofort genauer und konzentrierter. Je bewusster eine Ecke durchritten wird, desto besser stellt und biegt der Reiter quasi ganz nebenbei sein Pferd. „Diese einfache Übung ist sehr effektiv“, erklärt Dr. Britta Schöffmann, „ich erlebe auf Lehrgängen oft, dass durch diese simplen Pylonen in den Ecken die Reiter ein besseres Gefühl für die diagonale Hilfengebung entwickeln.“ Nicht zu unterschätzen sei auch, dass so der Reiter erfahren kann, wie sich eine gut ausgerittene Ecke überhaupt anfühlen kann. Das Bewegungslernen wird auf diese Weise unterstützt.

 

2.   Auf der Mittellinie als Tor platzieren

Um sowohl den Bogen auf die Mittellinie genauer zu reiten, als auch wieder den Bogen von der Mittellinie zur kurzen Seite besser zu reiten, stellt man links und rechts neben der Mittellinie zwei Pylonen auf. Platziert werden die Pylonen etwa ein bis drei Meter von A beziehungsweise C entfernt. Der Abstand zwischen zwei Pylonen, die ein Tor bilden, beträgt ungefähr einen Meter. Durch das Bemühen um das exaktere Reiten verbessert sich die Hilfengebung des Reiters beinahe automatisch. Der Reiter möchte keinen der Pylone umwerfen, also wird er sein Pferd besser um den inneren Schenkel in der Wendung hin zur Mittellinie biegen und mit dem äußeren Schenkel und Zügel nach außen abfangen. Zusätzlich kann man auch noch rechts und links von X je einen Pylon aufstellen, je nach Pferdegröße im Abstand von etwa 50 bis 100 Zentimeter. „Mal wird einfach nur dazwischen durchgeritten, mal dort auch gehalten und zwar so, dass das Reiterknie in Höhe der Pylone ist“, erklärt Dr. Britta Schöffmann.  Auch dies fördert das genauere, konzentrierte Reiten.

  

Britta SchöffmannDr. Britta Schöffmann und ihr Lehrfilm-Dreh: Stellung...
pferdia tv ...und Biegung kann man von oben am besten sehen.

 

3.   Als Marker auf der Schlangenlinie

Wer an Stellung und Biegung arbeiten möchte, für den sind besonders gebogene Linien, wie sie zum Beispiel die diversen Schlangenlinien bieten, nützlich. Das saubere Reiten der Bögen bei Schlangenlinien lässt sich ebenfalls gut mit Pylonen erarbeiten. 

Ein Beispiel: Bei Schlangenlinien durch die ganze Bahn mit drei oder vier Bögen wird in jeden Bogen, jeweils ein bis zwei Meter innen neben den Hufschlag, ein Pylon gestellt. 

Wer die früher gültige Form der Schlangenlinien mit s-förmig geschwungenen Mittelstücken im Training nutzt, setzt seinen Fokus auf das saubere Umstellen. Die aktuell gültige Form der Schlangenlinien mit dem geradeaus reiten zwischen den Bögen lässt sich zudem noch gut mit einem Wechsel der Gangart kombinieren: Dabei werden Trab-Schritt-Trab-Übergänge über der Mittellinie geritten. Galopp-Trab-Übergänge können auf der Schlangenlinie zum Beispiel so aussehen, dass einer der Bögen im Galopp, der folgende im Trab absolviert wird. 

 

Britta Schöffmann über Pylonen als HeilmittelEine Ausbilderin mit Prinzipien: Pferderasse und Ausbildungsstand sind ihr weniger wichtig als die Einstellung des Reiters.

 

Wenn die Durchlässigkeit und Versammlungsfähigkeit des Pferdes es schon zulässt, ist es auch denkbar, die Schlangenlinie im Galopp zu reiten und mittig, beim Überqueren der Mittellinie, den einfachen Wechsel zu reiten. „Diese Kombination fördert Geschmeidigkeit und Versammlung und damit die Durchlässigkeit", so Dr. Britta Schöffmann.

 

Am besten direkt mal ausprobieren. Immer mal wieder Pylonen ins Training einzubauen ist übrigens ideal, um die Winterarbeit abwechslungsreicher zu gestalten. Wir wünschen viel Erfolg beim Testen! 

 

Der Film „Reiten gut erklärt, Teil 3: Geschmeidigkeit durch Stellung & Biegung“ ist soeben erschienen. Als DVD und hier in der pferdiathek. Übrigens ist in der November - Ausgabe der St. Georg auch eine Reportage zum Dreh von Dr. Britta Schöffmann und pferdia tv zu lesen!

 

 
 
 

 

Das Pferd in positiver Spannung, FN-Verlag


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