[Spezialwissen]

Passt Dein Sattel? Der Selbsttest zum Nachmachen!

von Jeannette Aretz

Datum: 06.07.2017


 pferdiathek Diese drei Kreidestriche sind wichtig, um die tatsächliche Größe und Bewegungsspanne der Schulter zu markieren. In unserer Reihenfolge des Tests ist das Schritt 3.

 

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Ein passender Sattel ist Gold wert - leider ist die Sattelsuche ein Thema, das viele Reiter schier zur Verzweiflung treibt. Viele fühlen sich unsicher, ob ein Sattel passt oder nicht, und gute Fachleute, gute Sattler, sind rar gesät. Im neuen Kosmos-Buch namens "The Silent Killer - Sattelanpassung nur für den Moment?" haben wir einen Selbsttest gefunden, der jedem Reiter deutlich zeigt, wo ein Sattel aufliegen darf, und wo nicht. Und ja, es geht über die Grundregeln wie "Platz für die Schulter lassen" hinaus. Ausprobieren!

 

Probleme mit dem Sattel gibt es meist, wenn er irgendwo drückt. Also zu eng ist, zu lang ist, der Schwerpunkt nicht richtig liegt. Doch wie liegt er richtig? Aussagen wie „Hinter der Schulter, und nicht länger als die letzte Rippe!“ sind zwar nicht ganz falsch, aber inakkurat. Im neuen Kosmos- Buch namens „The Silent Killer – Sattelanpassung für den Moment“ wird Schritt für Schritt ganz genau erklärt, wie jeder Reiter selbst sein Pferd vermessen kann, und so eine genauere Information bekommt, wo der eigene Reitsattel denn überhaupt liegen sollte. Und das ist so fabelhaft erklärt, dass wir uns freuen, es euch ganz zeigen zu können! Also, das nächste Mal bitte mit Kreide in den Stall fahren, die Anleitung dabei haben, für einen der Schritte eine Stallkollegin um Mithilfe bitten und dann loslegen!

 

Schritt 1: 

Habt weiße und eine farbige Kreide bereit. Das Pferd sollte angebunden und geputzt sein. Als erstes vom Widerrist aus einen senkrechten Strich an der Stelle einzeichnen, an der die Schulter des Pferdes am breitesten erscheint. 

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Schritt 2:

Ertastet das Schulterblatt und fühlt, wo es oben endet. Dorthin kommt der zweite Strich, ebenso senkrecht, also parallel zum ersten, nach unten.

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Schritt 3:

Das ist ein bisschen komplizierter. Vielleicht brauchst Du hier einen Helfer. Denn: Nun wird das Vorderbein der Seite, auf der Du die Striche einzeichnest, angehoben. Dabei das Bein nach vorn ziehen - und nicht nach hinten aufnehmen, wie beim Hufe auskratzen. Dadurch kommt Bewegung ins Schulterblatt. Die Schulter routiert nach hinten. Genau an der Stelle, an der das Schulterblatt sich am weitesten hinten befindet, wird der dritte Strich eingezeichnet.

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Schritt 4:

Das ist wieder einfacher: Den letzten, 18. Brustwirbel ertasten und ebenso markieren.

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Schritt 5:

Von diesem Brustwirbel-Kreidestrich zehn Zentimeter in Richtung Hüfte abmessen (ungefähr etwas mehr als eine übliche Handbreite). Hier noch einen Strich senkrecht ziehen. In Jochen Schleeses Buch findet man diese Erklärung zu dem sensiblen Bereich innerhalb dieser zehn Zentimter: „In diesem Bereich, dem Lendenbereich, liegt der Bock-Reflexpunkt. Ist der Sattel zu lang und liegt in diesem Bereich auf, kann dies die Ursache für Pass, Vierschlaggalopp, Nachspringen bei den Fliegenden Wechseln, Verhalten oder Bocken sein.“

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Schritt 6:

Nun muss man die Wirbelsäule ertasten, und soll markieren, wo der Wirbelsäulenstrang endet. Dafür mit dem Daumen und den Handfächen den Rücken abfühlen. Man beginnt am dritten oder vierten Kreidestrich und ertastet die Wirbelsäule und den Übergang zum großen Rückenmuskel, dem Musculus longissimus. Der Übergang, die Grenze zwischen Wirbelsäule und Muskel ist wichtig. Dort, wo der große Rückenmuskel fühlbar ist, und nicht mehr die Wirbelsäule, wird waagerecht markiert.  

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Schritt 7:

Jetzt wird der Rückenmuskel in seiner gesamten von außen fühlbaren Breite ertastet. Das beschreibt Jochen Schleese folgendermaßen: „Von dieser Linie aus (Anmerkung: der oberen waagerechten, die in Schritt 6 gezeichnet wurde) fahren Sie mit den Fingerspitzen unter festem Druck hinunter und erfühlen, wo der M. longissimus zu Ende ist und eine mehr oder weniger starke Einbuchtung den Übergang zum Zwischenrippenmuskel markiert. Hier ziehen Sie eine zweite horizontale Linie, vom zweiten bis zum vierten vertikalen Strich.“ Dieser entstandene Balken ist der Bereich des Musculus longissimus. Sie können ihn weiß schraffieren, denn er ist wichtig: Genau hier darf der Sattel aufliegen. 

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Schritt 8:

Achtung, nun wird’s spannend: Nun wird eine Region markiert, die nun wirklich gar keinen Druck vom Sattel abbekommen sollte. Seitlich vom Widerrist befindet sich ein Bereich, in dem viele Nervenenden, das Rückenband und das Nackenband sowie die wichtigen Muskeln M. trapezius, rhomboideus und spinalis liegen. Dieser empfindliche Bereich, an dem vieles zusammenläuft, wird laut Jochen Schleese auch als Widerristkappe bezeichnet. Und so finden Sie diesen Bereich: Sie starten am zweiten senkrechten Kreidestrich und messen von oben 10 cm nach unten hin ab. An diesem Punkt setzen sie ihre Kreide an. Diese führen sie nun zum oberen Ende des dritten Strichs. Dadurch entsteht eine V-förmige Form, die zum Dreieck wird, wenn sie nun das obere Ende des dritten und zweiten Striches verbinden. Voilá: um dieses Dreieck geht’s. Das malen Sie farbig aus, denn das muss frei bleiben!

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Schritt 9:

Ertasten Sie im Bereich der Sattelblattkante und des Gurtes den Musculus lattissimus dorsi. Seine Kante verläuft ungefähr da, wo im Bild gerade das rote Kreuz eingezeichnet wird. Hier soll nichts drücken! Genauso wenig wie zwischen dem ersten und zweiten Kreidestrich, und zwischen dem vierten und fünften Kreidestrich, im Dreieck beim Widerrist.

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Schritt 10:

Jetzt ist die Sattellage komplett markiert. Ein Sattel darf dort aufliegen, Kontakt haben und Gewicht weitergeben, wo der Musculus longissimus, der lange Rückenmuskel einen guten Schutz bietet. In unserem Bild ist das der weiß schraffierte Bereich. So kann man gut erkennen, wie lang der Sattel sein darf und wieviel Platz rund um den Widerrist, und zwar auch seitlich, da sein muss.

pferdiathek  Schritt 10: Die Sattellage ist markiert.
pferdiathekDas neue Sattelbuch von Kosmos. 

 

Vorsicht: Wir übernehmen keine Haftung für Enttäuschungen im Anschluss, weil der eigene Sattel über den eingezeichneten Bereich herausragt und damit nach dieser Messmethode nicht mehr passend ist! Nein, Scherz beiseite: Ist das nicht eine hervorragende Anleitung, wie sich der Reiter selbst ein zuverlässiges erstes Bild machen kann? Natürlich gehört noch mehr dazu, um zu wissen, ob der Sattel tatsächlich passt - die Beurteilung der Auflagefläche ist enorm wichtig, aber nur ein Puzzleteil. 

 

Dass Sattelauswahl und – anpassung noch weitaus mehr bedeutet, wird in dem Buch von Jochen Schleese, aus dem diese Anleitung stammt, genau erklärt. Von der Historie des Sattelbaums über technische Hintergründe – wie zum Beispiel die unterschiedliche Form von Sattelbäumen und von Kopfeisen – bis hin zu dramatischen Fotos von Folge-Schäden aufgrund unpassender Sättel. Der Autor des Buches ist Sattler, und schult Reiter, Tierärtze und Osteopathen zu seinem Spezialthema. Viele werden ihn aufgrund seiner unterschiedlichen Sättel für die unterschiedlichen Beckentypen von Mann und Frau, kennen. Dieses Thema nimmt auch viel Platz im Buch ein. 

 

Hilfreich für den Leser werden vor allem die Kapitel zur Anatomie und Passform sein. Wie zum Beispiel die Gurtstrippen genau sitzen müssen, und in welchen Fällen das kreuzen dieser sinnvoll, richtig und sogar notwendig ist, wird in Bild und Text erklärt.

 

 

>>> Für alle Menschen, die ihr Wissen über Sättel vertiefen möchten. Das Buch ist im Kosmos-Verlag erschienen und kostet 24,99 Euro. Alle Fotos von Jochen Schleese,  mit freundlicher Genehmigung des Kosmos Verlag dem Buch entnommen.

 

 

   

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