[A life with horses]

Zäune bauen statt Yoga

von Jeannette Aretz

Datum: 30.04.2017


 pferdiathek a life with horsesWas seht Ihr hier? Idyllisches Licht oder viel Ampfer? Alles eine Frage der Perspektive! Foto: Klara Freitag  

 

Während ich diesen Text tippe, stecken meine Füße in einem Eimer heißen Wasser. Ich habe einen dicken Schafswollpullover an und kann über die Laptopkante in unseren Garten und die Weiden dahinter gucken. 

 

Das ist für mich gerade das ziemlich ultimative Glücksgefühl. (Okay, neben dem, wenn ich im Stattel sitze und auf einmal fluppt alles). Das hat Seltenheitswert, denn ich bin eigentlich der Meister des Stresses und des zu viel in einen Tag Packens und des busy, busy, busy Seins.

 

Muskeln und Schwielen - super Sache! 

Hier ist mein Rezept für dieses Glück: Ich bin durch nasses Gras gestiefelt. Habe nasse, kalte Füße bekommen dabei. Ich habe Zaunpfähle in die Erde gesteckt und bin Weiden abgeschritten. Habe gezählt, wie viele Pfosten ich bestellen muss. Ich habe mir erklären lassen, wie ich genau elektrische Tore aufbaue. Habe meine Muskeln benutzt, um T-Pfosten einzurammen und habe mir Schwielen an den Händen geholt.

 

Ich habe etwas mit meinem Körper getan und dabei in die Weite geguckt. 

 

Wie cool. Die beste Wellness für mich, es funktioniert für mich gerade besser als Yoga, und das will was heißen. 

 

Ich arbeite vorm Rechner, und das einige, einige Stunden am Tag. Ich liebe meinen Beruf, und dennoch ist es manchmal echt lang, dieses Laptop-Starren. Ich entscheide mich täglich, ob ich es mir leisten kann, abends zu reiten, oder doch besser am Bildschirm zu sitzen. Da runterzufahren, nicht abends noch an Texte, Interviews und was noch alles zu tun ist, zu denken, fällt mir oft schwer. Die Gedanken sind eben oft beim Arbeiten, auch wenn ich eigenlich gerade am Tisch sitze, Auto fahre oder das Kind von der Schule hole. Dagegen hilft jetzt dieses Wieseneinzäunen. Das erdet ungemein. 

 

Projekt Jungpferde-Aufzucht

Mehr als drei Hektar zäunen wir über dieses lange Wochenende ein, das wird das Land für unsere Jungpferde-Aufzucht. Ihr erinnert Euch, das Buch, von dem ich sprach? In diesem Text hier? Die Idee von Schloß, Kindern Ponys? 

 

Das ist auch ein Anfang davon: Platz zu schaffen fürs eigene Züchten. So schön!

 

Freud und Leid der Selbstversorger

Sicher wird es jetzt auch Warner geben: Puh, so viel Arbeit, zu romantische Vorstellung, warte mal einige Zeit ab! Naiv vielleicht sogar? Nö. Ich kenn das Leid von Selbstversorgern, ich habe es vor vielen Jahren lange selbst gehabt, Ponies am Haus und abendliches Füttern in Gummistiefeln mit Matschpisten im Winterwetter. Wie froh war ich, als ich das alles nicht mehr musste! Denn die Zeit, die ich sonst für Zaunbau und Nachbessereien vertat, konnte ich dann Reiten. 

 

Das ist einige Jahre her. Jetzt ist wieder die Zeit dafür gekommen, selbst etwas zu tun. 

 

Es gibt allerdings eine Einschränkung: Mein Pony Chamonix steht in einem traumhaften Stall, und da soll sie auch bleiben. Vollpension, Paddocktrail, Reithalle, alles da. Die Weide ist ein Extraprojekt. Bis die eigene Züchterei da ist, werde ich Jungpferde auf Weiden im Sommer haben, auf supergut durchdacht eingezäunten Weiden. Die Arbeit, die zu tun ist, die tut mir verdammt gut. 

 

Grüne Smoothies sind nichts dagegen

Ich brauche gerade keine Massagen, keine grünen Smoothies, keine Meditation, keinen Urlaub woanders – ich brauche genau das. Eine Ramme, einen T-Pfosten, Handschuhe und Isolatoren, die bezwungen werden wollen, um sich endlich um den Zaun zu krallen (Der Beweis: Hier ich und ein sehr widersätzlicher Pfosten!). Dann der Blick auf die Reihe von Pfosten! Wie schön lang sie da stehen, und wir haben die alle gesetzt! Genial. Das ist Zaunbau-Wellness. Endlich mal wieder was mit den Händen tun. 

 

Natürlich ist das nichts für jeden. Genau das finde ich an dem Beispiel so wichtig, und deshalb schreibe ich es auf: Jeder muss für sich rausfinden, was ihn wirklich gut tut. Das kann eben auch so was wie Zäune bauen sein, was in keinem Wellness-Ratgeber der Welt steht.

 

Was ist Deine Zaunbau-Wellness?

Würde mich wirklich interessieren: Was ist Deine ultimative Entspannungs-Technik, mal abgesehen vom Reiten? Schreibt es mir doch gern in die Kommentare auf der pferdia-facebookseite oder auf instagram. Ich bin gespannt, ob jemand auch sowas Seltsames wie Zäune bauen besonders entspannend findet!

 

*************

Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

   

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