[A life with horses]

Wie das Pferd die Langeweile los wird

von Jeannette Aretz

Datum: 15.01.2017


 

pferdia tv a life with horses alifewithhorsesDarf ich vorstellen, eine stark ausgeprägte Facette meines Pferdes: Ungeduld kann sich auch schon mal in Hintern hoch zeigen.  Foto: Klara Freitag 

 

Das Pferd muss stehen. Seit Wochen. Natürlich ist das furchtbar langweilig, und wenn man dann auch noch einen Kandidaten hat, der Arbeit eigentlich auf die Stirn geschrieben trägt, wird es nicht einfacher. Wie man helfen kann. Und was diesbezüglich Humbug ist. 

 

Zunächst: das Foto da oben lügt.  Bei uns geht es gerade nicht ums Reiten. Wäre schön, wenn. Doch mein Pferd, das da oben im Bild, hat Auszeit. Das Pferd steht, oder genauer: darf Schritt gehen. Trauma auf dem Griffelbein bedeutet: es dauert Wochen. 

 

Ätzend. Ihre Laune ist schlecht, sie ist genervt, sie ist ein Arbeitstier, vom Gemüt her, kein Schmusepferd. Das macht es nicht leichter. 

 

Was kann man tun, wenn das Pferd so lange stehen muss? Ich habe einige Sachen gefunden, die funktionieren und andere, die ich für Humbug halte. Die funktionierenden: 

 

1.     Keine Box. Pferd hat einen Offenstall für sich alleine, vorzustellen wie eine XXL-Box mit einem XXL-Paddock dran. Der ist noch schön langgezogen, so dass sie auf und ab spazieren kann. Zum Glück nutzt sie es nicht als Rennpiste.

2.     Nachbarn. Da kann ich nur dem Winter danken, denn ansonsten ständen ihre Paddock-Freunde auf der Weide, und nicht Zaun an Zaun bei ihr. (Sie freut sich übrigens mehr über die Warmblüter rechts am Zaun als über die Islandstute links vom Zaun. Und klar, es wäre schöner, wenn sie mit anderen Pferden gemeinsam stünde, ohne einen Zaun dazwischen. Es gibt jedoch Gründe wie Fütterung zum Beispiel, die das nicht möglich machen, momentan.) 

3.     Heunetz. Kleinmaschig, gut gefüllt. So dass sie immer was zu futtern hat.

 

So. und jetzt googlet mal alle Boxenruhe und Pferd beschäftigen. Man findet da sehr viele Ideen.  Ich könnte Clickern, ich könnte Möhrenstücke im Stall verstecken, ich könnte Äste zum Beknabbern aufhängen. Ich könnte Äpfel in eine Wasserwanne schmeissen, sie schwimmen lassen, und zuschauen, wie mein Pferd versucht, sie rauszufischen. Ich könnte ihr Obstgehölze und Haselnusszweige anbieten, zur Abwechslung. Ich könnte Bälle aufhängen. Ich könnte ihr eine Mineralbar bauen. 

 

Das wäre alles nett. 

Und würde sie 20-60 Minuten beschäftigen.

 

An den anderen 23 Stunden des Tages kämen wir wieder zu Punkt 1 bis 3. 

 

Fakt ist: Es ist langweilig und öde. Ich kann es kaum ändern. Alle Extras, die da oben aufgelistet sind, sind keine Langzeit-Zeittodschlager fürs Pferd. Sie befriedigen vielleicht meinen menschlichen Drang, ihr was Gutes zu tun. Aktionismus, wenn man es böse sagen will. Denn das, was sie am dringendsten braucht, das darf ich ihr gerade nicht zukommen lassen: tatsächliche Bewegung. 

 

Die Ideen mit den Beschäftigungsmöglichkeiten als puren Aktionismus abzustempeln - so weit würde ich nicht gehen. Ich finde das nicht total umsonst. Ich finde, es sind nette Ideen. Ein paar davon machen wir auch schon mal. Am besten finde ich noch, wenn ich es hinbekomme, dass sie zwei Mal am Tag besuchen kann. Sie freut sich immer, man sieht es ihr an, dass sie nach Abwechslung giert.

 

Nur, da darf Mensch sich nichts vormachen: Es ist langweilig, die meisten Stunden des Tages. Das ist Fakt, und ich kann dagegen nichts machen. Ist so. Erträglich machen die Wochen des Wartens nur die Grundbedingungen, die stimmen müssen: Licht, Luft, soviel Bewegung wie in ihrem Zustand möglich, Pferdefreunde, langsame Futteraufnahme. Punkt eins bis drei. 

Die Basics. Die wertvollen.

 

 

 

PS: Das Foto oben entstand im vergangenen Winter. Fee sollte für ein Foto mehrfach den gleichen Weg hoch und herunter traben, schön gesittet, und das fand sie nach mehreren Malen richtig doof. Dann wirft sie schon mal den Hintern hoch. Sie ist und bleibt eine grellige, arbeitssame Stute. Auch mit 24 Jahren (Huch! Ja, wirklich!). Mag ich. Und ich mag diesen Schnappschuss.

 

 

*************

Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

fn Praxishandbuch


Passend zum Thema

...

Basiswissen Teil 3: Richtig trensen

Sibylle Wiemer

In diesem Video zeigt die Ausbilderin Sibylle Wiemer, wie man ein Pferd richtig auftrenst und woran man erkennt, ob die Trense dem Pferd passt. Außerdem erklärt sie anhand einiger Beispiele, worin sich verschiedene Reithalfter und Trensengebisse unterscheiden.

Dauer: 19:38 Minuten

Hier geht es zum Video

...

Bewegungsgefühl für Reiter Teil 2: Das 6-Punkte-Programm – so geht‘s

Eckart Meyners

Das richtige Aufwärmprogramm ist nicht nur für das Pferd überaus wichtig. Der Reiter beugt damit Verspannungen vor und erlangt ein besseres Bewegungsgefühl auf dem Pferd. In diesem Video wird das 6-Punkte-Programm des Sportwissenschaftlers Eckart Meyners demonstriert. Machen Sie gleich mit!

Dauer: 12:21 Minuten

Hier geht es zum Video

...

Angie-Reitkurs Teil 1: Sich das Pferd zum Freund machen

Bibi Degn

Angie, der Schutzengel der Pferde, hilft Kindern in dieser Videoserie aufs Pferd. Die Kinder lernen mit Pferden und Ponys umzugehen, sie zu reiten und eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Im ersten Teil geht es um Vertrauensbildung und eine sichere Balance auf dem Pferderücken.

Dauer: 10:43 Minuten

Hier geht es zum Video



zurück zur Übersicht

Videotipps

...

Ausbildung an der Hand Teil 2: Spanischer Schritt

Karin Hess-Müller

Der Spanische Schritt ist eine wertvolle gymnastizierende Übung, mit der die Beweglichkeit der Schulter des Pferdes vergrößert und der Raumgriff verbessert werden kann.

Dauer: 12:52 Minuten

Hier geht es zum Video

...

Andreas Busacker trainiert mit Flipper versammelnde Lektionen & fliegende Galoppwechsel

Ingrid Klimke

In dieser Trainingseinheit arbeitet Andreas Busacker unterstützt von Ingrid Klimke mit Flipper an mehr Schwung und Ausdruck in den Seitengängen und dem sauberen Durchspringen beim fliegenden Galoppwechsel.

Dauer: 27:28 Minuten

Hier geht es zum Video

...

Beurteilung des Fahrpferdes & Einfahren

Tjeerd Velstra

Der berühmte Fahrweltmeister Tjeerd Velstra vermittelt in diesem Video die Grundlagen der Fahrpferdebeurteilung und demonstriert das strukturierte und schonende Einfahren eines jungen Pferdes.

Dauer: 22:46 Minuten

Hier geht es zum Video

StGeorg Magazin

PM der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Pferdebild