[Persönlichkeit]

Jessica von Bredow-Werndl: "Unee will einfach gut sein"

von Jeannette Aretz

Datum: 21.10.2015


pferdiathek pferdia tv Jessica von bredow werndl

Soeben ist Jessica von Bredow-Werndls erster Lehrfilm fertig geworden. „Dressursport – ganzheitlich zum Erfolg“ heißt das Gemeinschaftswerk mit Bruder Benjamin Werndl. Nur noch ein bisschen warten, dann wird es in der pferdiathek zu sehen sein. Die Dressurreiterin, die 2015 eine EM-Medaille mit dem Team holte, erzählt hier im Interview von Entscheidungen des Bauchgefühls, wie sie ihren Pferden Vertrauen gibt und warum ihr Hengst Unee ein bisschen arrogant ist.

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Kleiner Vorgeschmack auf „Dressursport – ganzheitlich zum Erfolg“: ein Interview aus dem Film zum Thema Trainingsphilosophie gibt es zusätzlich auf dieser Seite.

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Sie haben in den vergangenen zwei Jahren einen unglaublichen Karrieresprung hingelegt. Gibt es für Sie einen Punkt, an dem sich alles veränderte?

Das war wahrscheinlich 2013 in München. Ich habe dort eine Wildcard für das Finale der 5-Sterne-World-Dressage-Masters angeboten bekommen. Obwohl das letzte Turnier, das ich davor geritten hatte, nicht so gut war, bin ich ins kalte Wasser gesprungen und habe die Wildcard angenommen. Trotzdem hat es sich richtig angefühlt, denn im Training hatte ich ein gutes Gefühl. Ich habe meine Komfortzone verlassen und etwas gewagt, das war schon aufregend. Das Resultat war ein 7. Platz, super! Außerdem konnte ich mich überraschend für die Kür qualifizieren.

 

War es eine spontane Entscheidung, da alles auf eine Karte zu setzen? 

Es war mein Bauchgefühl, und ich habe gelernt, darauf zu hören. Das gilt auch andersherum: Wenn mein Bauchgefühl sagt: fahr lieber nicht, dann mache ich das auch nicht.

 

Dennoch werden Sie auch – wie jeder andere Profisportler – Druck spüren. Wie gehen Sie damit um?

Ich spreche mir Mut zu. Sage mir zum Beispiel selbst, dass ich viel Gefühl habe und darauf vertrauen kann. Mit einem Lebewesen als Sportpartner kann man nicht alles planen. Es geht um Gefühl und Intuition, die ich mehr und mehr lerne, zuzulassen.

 

Sie betonen oft, dass Ihnen das Wohlergehen Ihrer Pferde sehr viel wert ist, die Pferde zum Beispiel täglich auf die Wiese kommen. Doch: Was hat das Pferd vom Profisport?

Unee nur noch auf die Koppel zu stellen, wäre wohl das Schlimmste, was man ihm antun könnte! Die Pferde entwickeln einen unglaublichen Ehrgeiz, sie beginnen zu lieben was sie da tun! Meine Pferde sind wie hochbegabte Kinder, die man entdeckt und fördert, und sie entwickeln eine echte Freude dabei. Ich lasse meine Pferde ihre Erfolge spüren.

 

Im Film: Die Trainingsphilosphie der Werndl-Geschwister.

 

Seit wann wussten Sie, dass Unee für ganz oben taugt? 

Ehrlich gesagt hat uns anfangs niemand zugetraut, dass wir so weit kommen. Ich selbst wahrscheinlich auch nicht. Die Erfolgskurve zeigt steil nach oben, seitdem ich mich sehr viel mit Unees Psyche beschäftigt habe. Ganz großen Anteil am Erfolg hat Unees mentale Stärke und sein Wille, den er entwickelt hat. Er ist ein richtiger Showmaster geworden, so ein bisschen eingebildet, er will einfach gut sein.

 

Es gibt da auch noch Zaire, ihre Nachwuchsstute, die soeben in Folge sechs Grand-Prix-Prüfungen gewonnen hat. 

Ja, sie fasziniert mich immer mehr, sie ist wie ein Gummiball, ganz elastisch, Pi und Pa fällt ihr so leicht. Es ist ein Genuss, sie zu reiten! Bei ihr geht es mir darum, ihr viel Vertrauen zu geben, denn nur wenn sie entspannt ist, kann sie ihr ganzes Potential zeigen. Deshalb beschäftige ich mich außerhalb des Sattels sehr viel mit ihr. Sie braucht noch Routine, aber Zaire ist etwas ganz Besonderes, ich habe ein unglaubliches Gefühl auf ihr.

 

Was ist für Sie an Ihrem Sport am faszinierendsten?. 

Dieser Sport ist einfach unglaublich komplex, das ist so faszinierend! Es braucht unheimlich viel Verantwortung und Selbstdisziplin. Ich bin an 365 Tagen im Jahr für meinen Partner Pferd verantwortlich. Ich möchte mich einfühlen, um zu verstehen, was das Pferd braucht oder nicht, mich mental mit ihm auseinandersetzen, ehe ich mich wieder physisch um die Fitness kümmere. Es ist schade, dass manche Laien denken: man setzt sich da einfach drauf. Aber das ist ja nach vielen Jahren Ausbildung die Kunst, dass man die Hilfengebung kaum mehr sieht. Das ist ja wie beim Tanz, es steckt unheimlich viel dahinter. So viel Zeit ­– und Liebe.

 




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